escape / no escape

schleimbeutel
der herzen, wie sie
alle aus einer kehle
gurgeln

debil.
jenseits aller grenzen

sag.
warum
bist du alt geworden

niemand braucht
dich.

freude
über das
ungelebte

falsche richtung,
träne. roll nach
innen,

lass dich hinein
in den strom.

fliess dem
meer
zu,

den gezeiten
entgegen

. .

.

tryptichon

I.

wenn sie ihr haar / glänzend wie seide / zurückwarf / offenbarte ihr lachen / die weisse / hufeisige makellosigkeit ihrer zähne / umso berückender / zärtlicher das glück / zauberte sein hinterhauptslappen / doch die unterseite / eines totenschädels

II.

er spieb ihr aufs geschlecht. vaginales konnte er auf den tod nicht ausstehen… ( es war ja nicht so / dass sie gerne trank / nur / jedesmal / wenn sie ihm einen blies / fühlte sie sich olfaktorisch unangenehm berührt… )

III.

… er hatte auf sie gewartet. sie beeilte sich, herz raste in verzweiflung. aber die träge welt gehorchte eigenen gesetzen. als sie endlich kam, strebte sein körper der letzten klimax zu. gedämpfte stimmen, wie nach der geburt eines kindes.
… zögernd beugte sie ihren kopf über den seinen. zitternd. aus seinem aufgerissenen, zahnlosen mund vernahm sie ein geräusch. wie ein leises klicken. dann nichts mehr. ein letzter gruss. wenn auch - vielleicht - nur mehr des körpers.

versuch über seizurous

städte. in denen ewiger winter herrscht. wahrscheinlich gebaut, um sich einer art von universalen trostlosigkeit hinzugeben. abfolgen unscharfer bilder, unberührt von jeglicher schönheit. exerzitien der ausweglosigkeit. man täusche sich nicht. was so schlecht gemacht aussieht, ist pure absicht. tristesse, hergestellt mit einer kunstfertigkeit, die man versteckt nennen könnte. diese fotografien, aneinandergereiht, erzeugen im kopf einen film, dessen angedeutete handlung sich sofort wieder entzieht. den betrachter mit dem rätsel eines lebens zurücklässt, das offensichtlich sinnlos ist. was für eine einzigartige. unverwechselbare stimme. steigere ich mich hinein? übertreibe ich? schon möglich.

und dann die gedichte. ich dachte, die bildgeschichten wären ausdruck eines misstrauens gegen das wort. überraschung. ihnen fehlt nicht viel. zu den hervorbringungen der grossen meister der alienation. die sicherheit im ton. abwesenheit. entfremdung. rätselhaft. verständlich nur über die intuition. meisterwerke zwischen allen stühlen. steigere ich mich hinein? phantasiere ich? natürlich.

ich gestehe. ich bin entsetzt. wie wenig beachtung diese kunst findet. ich könnte mich in die luft sprengen vor lauter wut. wie traurig. was hat es für einen sinn, etwas zu herzen, was schon hundert tausendmal geherzt wurde. beckett schrieb an cioran zu seinem buch ‘die verfehlte schöpfung’: “in ihren trümmern finde ich zuflucht.” warum finden so wenige bei seizurous zuflucht? spricht das gegen seizurous? nein. es spricht gegen uns.

kataklysmen in zartgrün

morgengrauen nomen also omen hinein in die schuh ins gewirbel klangteppich voll katzenhaare schule des lebens haha verpiss dich kinderlachen horch -: apfelschalen vorm chalet schubert noch schnell was mit tod und süssem gepudere was soll das bedeuten egal weiter im text -: hol mir ein bier herunter eins zwei unter indolenten linden drei paar schuhe vom kinderflohmarkt pfarrheim langsam nicht so schnell -: schmiedeeisen neunzehntes jahrhundert in weiter ferne so nah im zarten gewühl ansatz einer mädchenbrust punkt weiter im text auge gescheitelt in halbwärtszeit enthob sich der tag bar allen anfangs -: wie furchtbar muss dein leben sein am brunnen vor dem tore stop ich sage stop. kredenz geführt in den garten späteren zeiten zum überbleibsel ein moment der stasis weiter weiter -: braun der kindermund vom schokoeis punkt und über den dächern der zwillingstürme des weilenden stifts steinerne gleichgültigkeit langsam ein königreich für eine zigarette um durchzuatmen endlich durchzuatmen ein moment der ruhe weiter im text -: romanik barock neugotik für welche ewigkeit o herr glorreiche erfindung horch mit jedem atemzug stasis sträucher blühend gelb rot lagerfeuer die abendandacht im april illusion von stasis -: nach hause ohne gedanken im dunkelnden licht horch alles fliesst fliesst weiter an uns vorbei über uns hinaus da einmal noch dacht ich der holden maid kindersitz rein raus